Kessy zum Reherfeld (1983 - 1996)
Der liebenswerte Rabauke
Kessy kam 1985 im Alter von 21/2 Jahren zu uns - oder besser: zu mir. Mir war zwar klar, das es kein einfaches Unterfangen war, einen "gebrauchten" Chow zu übernehmen, aber das es so grosse Schwierigkeiten bereiten kann, hatte ich nicht vermutet.
Kessy war eine Alpha-Hündin! Sie wollte immer und überall das Sagen haben. Und einen solchen erwachsenen Chow an eine neue Umgebung und neue Menschen zu gewöhnen, ist ein echtes Abenteuer!
Wenn ich mit ihr spazieren ging, blieb mir Anfangs nichts anderes übrig, als mich ihrem Tempo anzupassen und den Weg einzuschlagen, den sie aussuchte. Erst nach und nach konnte ich sie davon überzeugen, dass ich derjenige war, nach dem sie sich zu richten hatte.
Sie war eine begeisterte Jägerin und so musste ich die ersten 10 Monate unseres Zusammenlebens mit ihr an der Leine spazieren. Erst nach dieser Zeit hatte sie mich als ihren Leitmenschen akzeptiert. Wenn sie dann jagen wollte, reichte ein kurzer Pfiff und die Chow-Dame kam wieder zurück. Mit zwei Ausnahmen: Katzen und Eichhörnchen. Hier half nichts mehr, die Tiere wurden gnadenlos verfolgt. Nunja, da sich sowohl Katzen als auch Eichhörnchen vorzugsweise auf Bäume retteten und mein Chow sich dann vor dem Baum furchtbar aufregte, hatte ich immer eine Gelegenheit, meine Jägerin dort wieder "einzusammeln".
Obwohl sie draussen versuchte, alles zu jagen, was Fell oder Federn trug, benahm sie sich innerhalb der Wohnung völlig anders. Als ich damals Conny kennen lernte und sie (natürlich!) mit Kessy das erste Mal in ihrer Wohnung besuchte, stand dort ein Käfig mit 6 Wellensittichen. Kessy hat nicht einmal einen Blick auf die Vögel geworfen! Im Gegenteil: sie legte sich unmittelbar vor den Käfig und ließ sich ohne zu murren von den Geiern mit Futterkörnern bewerfen. Als es ihr zuviel wurde, stand sie einfach auf, schüttelte sich kräftig um sich 2 Meter weiter wieder hin zu legen. Später konnten unsere alten Sittiche, die Probleme mit dem Fliegen hatten, sogar auf Kessy notlanden. Sie sah dann zwar nie besonders glücklich aus aber sie hat auch alles vermieden, was den Vogel hätte erschrecken können!
Anderen Hunden gegenüber war sie freundlich, so lange sich ihr Gegenüber ebenfalls freundlich benahm. Wurde sie allerdings zur Begrüssung angeknurrt oder gar angebellt, so gab es für den fremden Hund nur noch eine Rettung: Möglichst schnell und möglichst weit laufen. Ansonsten wurde er sehr heftig verwarnt und mir ist kein Hund in Erinnerung, der meine Kessy ein zweites Mal angebellt hätte!
Fremden Menschen begegnete sie sehr zurückhaltend. Niemand durfte sie gleich bei der ersten Begegnung anfassen. Der Mensch musste sich das Vertrauen des Chows erarbeiten. Hatte sie allerdings jemanden in ihr Herz geschlossen, konnte dieser Mensch sich voll und ganz auf den Hund verlassen. Aber auch hier gab es Ausnahmen von der Regel: Gleichgültig, wie gut sie einen Menschen leiden mochte, wenn sie durch ihn "ihre Menschen" in Gefahr gebracht sah, wurde sie augenblicklich zur wilden und entschlossenen Verteidigerin ihres Rudels!
1996 mussten wir Kessy wegen schwerer Arthrose einschläfern lassen. Es war ein sehr schwerer Entschluss der aber gefasst werden musste, um das alte Mädchen nicht weiter zu quälen, denn am Ende konnte man ihr bei jedem Schritt ansehen, dass sie starke Schmerzen litt. Solch bittere Erfahrungen gehören leider auch zum Leben eines Hundehalters!
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